Interview: Selin Aktektin
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Beschreibt mal euren Sound mit einer Geschmacksrichtung oder mit etwas Essbarem.
Thom Luz: Gute Frage, ehm.. Ich denke jetzt gerade anhand von einem Getränk, also von Alkohol.
Kusi: Es ist eine Mischung von schwerem Rotwein und knalligem Pesca Frizz.
Thom: Aber das klingt in der Kombination eigentlich wieder cheap.
Kusi: Aber es ist definitiv nicht ein Drink, oder ?
Thom: Es ist definitiv ein Abend wo man anfängt Bier zu trinken, dann kauft jemand eine ganz teure Flasche Champagner, dann geht man eine Bar weiter, wo es schlechten aber uhuere geile Gin Tonics gibt, die auch super stark sind. Nachher trinkt man eine Flasche Mineralwasser. Also weisst du, ein bisschen so. Und nachher noch so brennende Shots.
Ist das so das, was ihr nach den Konzerten macht?
Thom: Es gibt Leute in dieser Band, die das machen. Es gibt zwei Arten von Leuten in dieser Band. Die einen gehen nach dem Gig nach Hause, und die anderen gehen aus. Und die, die nachher ausgehen haben danach extrem aufregende Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel einmal in Lausanne, da sind die brennenden Shots inhaliert worden und nicht getrunken.
Inhaliert.
Thom: Und dazu hat noch die Bar gebrannt, worauf die Gläser gestanden sind. Stell dir das mal vor.
Ouw. Wie sieht das denn auf der Tour aus?
Thom: Man muss eben zusehen dass man auch viel schlafen kann. Es ist einfach streng, wenn man so lange am Stück unterwegs ist. Es gibt so beides. Es gibt diese Nächte, wo es dir passiert und wo es am nächsten Tag dann weh macht, aber man geht auch häufig früh schlafen, weil man ja früh wieder aufstehen und weiterfahren muss.
Es gibt ja auch noch andere Sachen wenn man unterwegs ist, ganz alltägliche, die dann vielleicht vernachlässigt werden. Wie viele Tage habt ihr ohne zu duschen verbracht?
Thom: Ich habe sicher mal eine Woche lang nicht geduscht.
War das angenehm?
Thom: Ich fand das angenehm. Ich stinke aber auch nie
Kusi: Nein, du stinkst wirklich nie. Du hast einen guten Geruch. Das haben wir alle in der Band. Zum Glück.
Thom: Es gibt doch so Menschen, die einfach gut riechen ohne irgendwelches irgendwas und wir sind jetzt zufälligerweise alle so Leute.. (Gelächter)
... eine gut riechende Band.
Thom: Ja, und ich glaube die Mischung von uns dreien ist eben auch ziemlich gut.
Vielleicht ist es das, vielleicht habt ihr einander gerochen und ...
Thom: Das ist doch wirklich so. Das Leben wird von Pheromonen und, wie heisst das andere.. Bestimmt.
Kusi: Hormone?
Der Sinn und Zweck einer Tour sind ja die Gigs. Davon hattet ihr ja eine ganze Menge. Es kam doch sicher vor dass ihr mal dachtet: «Scheisse, das war mal ein schlechtes Konzert.»
Thom: Schau mal, auf der aktuellen Tour hatten wir noch kein einziges solches Konzert und Konzerte, die zum wegstreichen waren gab es eigentlich ganz wenige, von denen wir dachten, dass sie jetzt schlecht waren.
Ihr hattet also nie einen Gig wo einfach nichts richtig gut lief?
Thom: Wir haben sehr gute Verdrängungsmechanismen (lacht).
Kusi: Das kann schon mal sein. So ein Konzert hängt ja vom Moment ab und von so vielen Faktoren, das gibt es durchaus dass es mal nicht läuft. Ich glaube viel mehr bei einem selbst als bei den Leuten im Publikum. Aber es passiert nichts grösseres. Das ist so, man steht da und man denkt ich könnte jetzt auch zuhause sein und fern sehen, wäre geiler. Das gibt es extrem selten, also wirklich, das kann man so sagen. Man kann aber auch nicht etwas erzwingen, die Musik lebt ja von einem gewissen Geist. Das muss passieren. Aber wir lieben das ja. Den Moment vom Rausgehen, man weiss nicht was in der nächsten Stunde passiert, das finden wir super und deswegen kommt dabei auch etwas Gutes oder eben, etwas Eigenes dabei raus.
Thom: Ich habe mir mal vorgenommen, dass wenn wir mal wirklich einen solchen Gig hätten, wir halt die Gitarre kaputt machen. Das ist bis jetzt noch nie passiert.
Anscheinend gefallt ihr also recht vielen. Vor allem in den Medien seid ihr extrem beliebt. Der Blick hat dich, Thom, als den grossen Indie-Star der Schweiz betitelt.
Thom: Die wissen eben noch wo man den Most holt. Die vom Blick lassen sich eben nicht in die Kappe scheissen (lacht).
Wie geht es einem so wenn man so was liest?
Thom: Von dem kommt extrem wenig bei einem selbst an. Das ist wie so (zuckt mit den Achseln). Es sind schöne Komplimente, aber wir sind jetzt auch nicht mehr anfangs zwanzig und bekommen dann irgendwelche Allüren oder so. Für das sind wir zu geerdet.
Ihr seid ja aber auch recht präsent in den Medien. Zum Beispiel habt ihr ja viele Teaser für das aktuelle Album rausgebracht. Ihr wollt ja die Leute auch holen. Kam das von euch aus oder war das vielleicht eine Idee der Plattenfirma?
Thom: Wir wollten ein Video machen. Also sind wir mit dem Auto herumgefahren und haben Sachen gefilmt und dann habe ich damit begonnen das Material zu schneiden. Dabei habe ich gemerkt, dass beim Filmen extrem viele unterschiedliche Stimmungen entstanden sind. Wir dachten es wäre viel cooler, wenn wir anstelle eines einzelnen Videoclips zehn verschiedene, kleine Clips zu jedem einzelnen Song machen würden. Diese Idee ist aus dem Moment heraus entstanden, wie viele unserer Ideen. Unsere Kostüme und unsere Bühnenshow, das sind Sachen, die aus einem Moment und einem Gefühl heraus entstehen. Dann haben wir das ganze auf Youtube geladen. Das ist alles was wir gemacht haben.
Das heisst ihr habt das koordiniert, gestaltet ...
Kusi: Viele Bands bringen eine Platte heraus und machen sich keine Gedanken um die Vermarktung. Das ist natürlich ein Irrsinn, ganz klar. Für das arbeiten wir ja mit einem super Label zusammen, die auch planen, fixieren und Strategien machen. Das gehört dazu, das ist ja auch ein Produkt, von dem man will, dass es stattfindet und dass es wichtig ist. Darum ist es ganz klar, dass es ein Teil von der Arbeit ist, auch vom Label, das zu vermarkten. Logisch.
Es funktioniert ja auch. Ihr habt über 3000 Likes auf Facebook. Was glaubt ihr wie wichtig das heutzutage für eine Band ist?
Thom: Schwer zu sagen. Noch vor einem halben Jahr hiess es, es sei wichtig. Jetzt heisst es dass man Facebook-Likes knicken kann und dass es darauf ankommt wie viele Mailadressen man im Mailverteiler hat. Der nächste sagt dann wieder, dass Youtube gestorben sei, man müsse zu Vimeo bis einer sagt, dass man gar keine Videos mehr machen soll, dann wäre man cool. Es gibt nichts mehr was überhaupt irgendwie gilt und das einzige was noch zählt ist, dass du als Künstler hinter deinen Produkt stehen kannst.
Betty: Ich glaube auch dass die Leute sehr sensibel darauf geworden sind und es durchschauen wenn irgendwas zu gewollt ist und man die Absicht dahinter zu sehr sieht. Bei mir selber ist das ja auch so, dass ich merke dass es gewissen nur darum geht möglichst viele Facebookfreunde zu haben oder so. Das kommt komisch rüber. Ich glaube die Leute kümmern sich dann zu sehr um das Ganze. Das wirkt dann nicht mehr natürlich.
Wir verlosen 1x2 Tickets für das Konzert. Teilnahme unter redaktion@moustache-magazin.ch, Betreff: My Heart belongs to Moustache, mit Vor- und Nachnamen. Viel Glück!


